Therapeutische Präventions- und Interventionsmaßnahmen für gewalt- und extremismusgefährdete minderjährige Migranten und Flüchtlinge (TPIF)

Wahrnehmungs- und Kognitionsprozesse lenken unbewusst und automatisiert den Attributionsprozess und haben einen sehr starken Einfluss auf die Wirklichkeitskonstruktion (Ursache – Wirkung): Warum werde ich beschuldigt? Warum muss ich die Klasse verlassen? Warum werde ich suspendiert? Warum habe ich die Ausbildungsstelle nicht bekommen? Attributionen steuern Emotionen, Motivationen und letztendlich das Verhalten.

In der ersten Stufe finden visuelle Wahrnehmungstraining, Emotions- und, Kommunikationstraining Anwendung. Anhand ausgewählter Bilder und eigener erlebter Situationen werden visuelle Wahrnehmungen gestärkt und Wahrnehmungsfehler ausgeräumt. Kinder und Jugendliche lernen in dieser Phase, Situationen wert- und vorurteilsfrei zu beschreiben; Stigmata, Vorurteile, Aversionen und Intoleranz herauszufiltern, ihre Emotionen zu erkennen und zu artikulieren. Hierbei werden bereits lerntheoretische Einstellungen und religiöse Konstitutionen herausgearbeitet.

In der zweiten Stufe finden je nach Bedarf kognitive Informationsverarbeitung, Emotionsregulation und Verhaltenstraining zur Gewaltprävention und die bewusste Hinterfragung von Attributionsfehlern zur Extremismusprävention Anwendung. Das Programm richtet sich an minderjährige Migranten und Geflüchtete beider Geschlecht bei dem ein erhöhtes Risiko oder minimale Hinweise für Extremismus vorliegen und findet in einer halboffenen Gruppenarbeit mit einer altershomogenen Gruppe statt. Der Ablauf ist manualisiert und ritualisiert: 1. Stimmungsbarometer anhand der Ampelkarten („Wie geht es mir?). 2. Freies Sprechen über aktuelle Situationen. 3. Störungen haben Vorrang. 4. Lernphase. Wird vorgegeben. 5. Spielphase. 6. Übungsphase. 7. Bearbeitung der Aufgaben. 7. Transfer in den Alltag. 8. Spielphase. 9. Stimmungsbarometer. 10. Zufriedenheit („Wie hat mir die Stunde gefallen?“). Zusätzlich zu den Unterstützungsangeboten für die Kinder und Jugendlichen richtet sich das Projekt auch an deren Eltern und Fachpersonal sowie den Auf- und Ausbau von weiteren Unterstützungsstrukturen.